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Einige (einigermaßen) bekannte Rei(n)mars

von Hagenau von Brennenberg von Zweter der Fiedler

"Reimars" gibt es nicht eben viele. Nicht mehr — denn früher war es ein relativ verbreiteter Name. Auf dieser Seite möchte ich ein paar unserer Namensvettern vorstellen, die es zu einigem Ruhm und Ansehen gebracht haben.

Zwar ist das keine wirklich große Aufgabe, gleichwohl ist die Sache noch nicht weit gediehen. Bislang hab ich bloß Reinmar von Hagenau begonnen und, da er nun ja tot ist, den großartigen Nachruf ins Netz gestellt, den Walther von der Vogelweide, mit dem er Zeit seines Berufslebens (literarisch) verfeindet war, auf ihn gedichtet hat.

Der Nachruf ist wirklich sehr gelungen und lesenswert — zusammen mit Jehan Molinets Nachruf auf Jehan Ockeghem, den Josquin Desprez auf wunderschöne Weise vertont hat, gehört er zu meinen ewigen Nachruf-Favouriten.

Hier ist er also (die Nummern geben die Koordinaten in "Des Minnesangs Frühling" an):
82, 24 Owê daz wîsheit unde jugent,
  25 des mannes schœne noch sîn tugent,
    niht erben sol, sô ie der lîp erstirbet!
    daz mac wol klagen ein wîser man,
    der sich des schaden versinnen kan,
    Reimâr, waz guoter kunst an dir verdirbet.
  30 dû solt von schulden iemer des geniezen,
    daz dich des tages wolte nie verdriezen,
    dun spræches ie den frowen wol mit ir vil reinen siten.
    des sün si iemer danken dîner zungen.
    hetst anders niht wan eine rede gesungen,
  35 'sô wol dir, wîp, wie reine ein nam!', dû hetest alsô gestriten
    an ir lop daz elliu wîp dir gnâden solten biten.
     
83, 1 Dêswâr, Reimâr, dû riuwes mich
    michels harter danne ich dich,
    ob dû lebtes und ich wær erstorben.
    ich wilz bî mînen triuwen sagen,
  5 dich selben wolt ich lützel klagen:
    ich klage dîn edelen kunst, daz sist verdorben.
    dû kundest al der werlte fröide mêren,
    sô duz ze guoten dingen woltes kêren.
    mich riuwet dîn wol redender munt und dîn vil süezer sanc,
  10 daz die verdorben sint bî mînen zîten.
    daz dû niht eine wîle mohtest bîten!
    sô leiste ich dir geselleschaft: mîn singen ist niht lanc.
    dîn sêle müeze wol gevarn, und habe dîn zunge danc.
 

CD mit gesungener DéplorationUnd hier ist noch die oben erwähnte Déploration von Molinet — zugegeben, sie hat nichts mit dem Thema "Reimar" zu tun, ist aber trotzdem schön (jedenfalls das Original, zumal wenn gesungen in Josquins Vertonung, wie als Stück 14 auf der hier gelinkten CD oder auch hier auf YouTube. Meine Glossierung unten rechts ist natürlich etwas doof):

La déploration de Jehan Ockeghem
 
Nimphes des bois, déesses des fontaines,   Nymphen der Wälder, Göttinnen der Quellen,
chamtres expers de toutes nations,   erfahrene Sänger aller Nationen,
changez vos voix fort cleres et haultaines   ändert eure klaren und hohen Stimmen
en cris tranchantz et lamentations.   in schneidende Schreie und Klagen.
Car d'Atropos les molestations   Denn die Belästigungen der Atropos
vostr'Ockeghem par sa rigueur attrape   umstricken euren Ockeghem ausweglos
le vray tresoir de musiqu'et chief d'oeuvre   den wahren Schatz der Musik und Meister
qui de trépas désormais plus n'eschappe,   der dem Tod von nun an nicht mehr entkommt,
dont grant doumaigne est que la terre coeuvre.   von dem es ein großer Verlust ist, daß die Erde ihn bedeckt.
Acoutrez vous d'abits de deuil,   Hüllt euch in Trauerkleidung,
Josquin, Brumel, Pierchon, Compère,   Josquin, Brumel, Pierchon, Compère,
et plorez grosses larmes d'oeil,   und vergießt dicke Tränen aus den Augen.
perdu avez vostre bon père.   Verloren habt ihr euren guten Vater.
   
Cantus firmus:  
Requiem aeternam dona eis Domine   Gib ihnen ewige Ruhe, Herr,
et lux perpetua luceat eis.   und das ewige Licht leuchte ihnen.
Requiescat in pace. Amen.   Er ruhe in Frieden. Amen.

Josquin Desprez (Flame, ca. 1440-1521) ist der berühmteste Schüler des Jehan de Ockeghem. Nachdem Ockeghem am 6. Februar 1497 gestorben war, dichtete Jehan Molinet (1433-1507) ihm einen Nachruf, den Josquin als Motettenchanson vertonte.

Neben den Nymphen und Göttinnen werden auch Ockeghems Schüler zur Trauer aufgefordert "Josquin, Brumel, Pierchon, Compère". Der erste ist besagter Josquin Desprez, der den Chanson komponiert hat. Bei Brumel handelt es sich um Antoine Brumel (ca. 1460-ca. 1520); Pierchon ist Pierre de la Rue (1450-1518), und bei Compère handelt es sich um Loyset Compère (von dessen vita nicht eben viel bekannt ist — 1474-1475 wirkte er in Mailand, zwischen 1486 und 1490 am französischen Hof und anschließend bis zu seinem Tod an der Kathedrale von St. Quentin).

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Zuletzt aktualisiert von Reimar Müller am 25.02.2007 19:11.