Der Name "Reimar"

Seitdem ich die domain "reimar.de" gesichert habe, sind einige Male Anfragen bei mir eingegangen, was der Name "Reimar" bedeute und woher er stamme. Daher hänge ich das, was mir dazu einfällt, nun einfach ins Netz. Mit schönem Gruß an alle Reimars!
Germanische Namen
Die traditionellen germanischen Namen sind oft aus zwei Bestandteilen zusammengesetzt (vgl. etwa 'Thorsten' aus 'Thor-stein' = "Stein des (Gottes) Thor" usw.), wobei das Bewußtsein über die Bedeutung einzelner Zusammensetzungen in historischer Zeit teils schon recht dürftig war — manchmal wurden einfach recht beliebige Bestandteile zusammengesetzt, ohne daß das Ergebnis besonders sinnvoll gewesen wäre (denken Sie z.B. mal darüber nach, welchen tieferen Sinn der isländ. Name 'Hrafnkell' aus 'hrafn' und 'ketil', also eigentlich "Rabenkessel", wohl haben könnte).
Zusammensetzung
Der Name 'Reimar' besteht nun aus dem Substantiv 'ragin' und dem Adjektiv 'mari'. Beide Wörter sind in den verschiedenen altgermanischen Sprachen gut belegt, wobei 'ragin' im Althochdeutschen schon ausgestorben ist und nur noch in Zusammensetzungen vorkommt.
Rei(n)–
'ragin-' kann allerlei heißen — im Gotischen z.B. kommt es als 'ragins' vor und heißt "Rat, Beschluß", davon abgeleitet findet man 'ragineis' in der Bedeutung "Ratgeber". Im Allgemeinen wird aus den altgermanischen Belegen ein urgermanisches Wort 'ragina' rekonstruiert, das "Rat, Beschluß, Ratschluß" heißen soll. Es gibt aber auch Belege, bei denen die Bedeutung des Wortes in den Bereich des Göttlichen ragt — so findet man z.B. auf einem Runenstein aus dem 3. Jahrhundert das Wort 'ragina-kuðo' in der Bedeutung "von den Mächten abstammend, von göttlicher Art", und im Altisländischen bezeichnet 'regin'/' rögn' die "herrschenden Götter". Geht man noch weiter in die Sprachvergangenheit, hängt 'ragin-' u.a. mit Lateinisch 'rex (regis)' "König, Herrscher" zusammen, damit also auch mit unserem Fremdwort 'regieren'.
-mar
Das Adjektiv 'mari' ist in einigen altgermanischen Sprachen, so auch im Althochdeutschen, gut belegt — es bedeutet "berühmt" bzw. "das, wovon man spricht"; als Substantiv heißt es "Ruhm". Die Wortwurzel haben wir auch noch in der Gegenwartssprache, z.B. in den Worten 'Märe' und 'Märchen': aus althochdeutsch 'mari' wurde durch Einfluß des '-i' (Umlaut) 'maeri' (eine Märe ist ja auch etwas, wovon man spricht und was man herumerzählt), dann mittelhochdeutsch 'mære' und schließlich unsere 'Märe' bzw. die Verkleinerungsform 'Märchen'. Auch hier kann man die Wurzel weiter zurückverfolgen, urgermanisch 'maerja' hängt eventuell zusammen mit dem keltischen Wort für "groß", das man u.a. in Walisisch 'mawr' (sprich: maur) wiederfindet (denken Sie etwa an die Universitätsstadt 'Brynn Mawr' in Amiland).
Entwicklung
Soviel zu den Einzelwörtern — beim Namen muß man also von einer ursprünglichen Form 'Raginmari' ausgehen, die dann (wie das in der Sprachgeschichte so ist) immer mehr verändert und abgeschliffen wurde. Urkundlich belegt sind in frühester Zeit u.a. ein 'Ragnomar', ein 'Raginmar' (Bischof von Grenoble, 8.Jhdt.), ein 'Ragnimir' (Bischof von Turin, auch 8.Jhdt.) u.v.a.m.
Entsprechend den historischen Lautgesetzen wurde 'Raginmari' dann zu 'Raginmar' (Auslautschwund), dann zu 'Reginmar' (Umlaut), anschließend wurde das '-g-' weich und verschmolz mit dem '-i-' (sprich [rejinmar] > Reinmar) … und da sind wir schon bei der mittelhochdeutschen Form, die meist als 'Reinmar' und teils auch schon als 'Reimar' belegt ist. Daß sich das 'n' an das direkt folgende 'm' angleicht ist völlig normal (gliche sich das 'm' an das 'n' an, käme 'Reiner' raus, was es ja auch gibt).
In mittelhochdeutscher Zeit ist 'Reinmar'/' Reimar' als Personenname gut belegt, der bekannteste ist sicherlich der Minnesänger Reinmar von Hagenau.
Als lautgesetzliche weitere Entwicklung wäre 'Reimer' zu erwarten gewesen (Auslautabschwächung), insofern stellt 'Reimar' im Gegenwartsdeutschen eigentlich eine konservierte ältere Form dar. Daher auch die verschiedenen Schreibweisen — ob 'ei' oder 'ai' ist ohnehin eine mehr oder minder willkürliche Schreibvariante, und die Variation bei 'nm'/' m' bzw. in der zweiten Silbe 'a' oder 'e' sind eben unterschiedliche eingefrorene historische Lautgestalten.
Bedeutung
Für welche der Bedeutungen man sich nun entscheidet, wenn man festlegen will, was 'Raginmari' ursprünglich bedeutet haben mag … nun, Sie sehen die Möglichkeiten: Man muß irgendwie "Rat"/" Ratgeber" bzw. "Gott" und "berühmt", "wovon man spricht' zusammenbringen — also ist "berühmter Rat(geber)" im Prinzip ebenso möglich wie "berühmt bei den Göttern". Entscheiden läßt sich das nicht wirklich, denn, wie oben erwähnt, ist 'ragin-' als einzelnes Wort im Althochdeutschen schon nicht mehr belegt, d.h. daß der Name wohl schon für unsere Vorfahren im 8. Jhdt. nicht mehr transparent war.

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